Der Standard-Käfer
Weniger ist mehr...

Ovali (3/1953-7/1957)

Aufbau außen

Was beim Standard als erstes ins Auge fällt, ist die völlige Abwesenheit von Chrom, dem Stilelement der 50er. Die Zierleisten an Gürtellinie, Haube, Trittbrett und Fenstergummis fehlen ebenso wie das Wolfsburgwappen und das VW-Emblem.

Die Türen sind ebenfalls einfacher gehalten: Es fehlt der Zierleistenrahmen um das Fenster, am Fensterschacht sitzt außen die gleiche Gummilippe wie innen. Der Steg zwischen Seiten- und Drehfenster ist wie auch der Rahmen des Drehfensters selbst in Wagenfarbe lackiert. Der Vorreiber ist wiederum schwarz lackiert, der Knopf verchromt. Der Kragen, in den der Vorreiber greift, ist ebenfalls verchromt.

Ohne Chromglanz auch die Stoßstangen, Radkappen und Griffe. (Der zeitgenössische Autobuch-Autor Alexander Spoerl (zB „Mit dem Auto auf Du“) hat in den 50ern zurecht die Frage gestellt, warum ausgerechnet Stoßstangen, die ja dafür gedacht sind, mal verschrammt zu werden, mit dem quasi unreparierbaren Chrom überzogen und nicht einfach lackiert sind…) Ein lackiertes Ziergitter sitzt nur fahrerseitig (!) über der Hupe.

Die Lackierung dieser Anbauteile hängt vom gewählten Farbton ab. Außerdem konnte man gegen Aufpreis ein Chrompaket ordern, das aber auch nicht alle Teile betraf.  

Die Aufbau-Farbgebung im Überblick:

                                              *) L328 – strittig!       **) Diverse Behördenfahrzeuge und Polizeicabrios hatten teilweise die Ringe in Wagenfarbe.

Um das Fehlen von Chrom zu kompensieren, trug der Standard zumeist gemalte Zierleisten an der Gürtellinie und hatte das VW-Zeichen auf den Radkappen ebenfalls in gleicher Farbe ausgelegt. Wir schreiben „zumeist“, weil es auch zeitgenössische Fotos gibt, die Standards komplett ohne diese Merkmale zeigen. Die Farbe war für frühe Ovalis Lachsrot L?? und wurde dann von Perlweiß L87 abgelöst. Hier bitten wir um Input bezüglich des genauen Zeitpunktes! Die Zierstreifen wurden am Fertigungsband mit dem Schlepp-Pinsel gezogen und sehen durchaus „handmade“ aus (siehe dazu „Tipps und Technik: Linierung“). Als letzter farblicher Akzent war auch die Radscheibe (also der innere Teil der Felge) im Zierleistenfarbton lackiert, der äußere Ring in Wagenfarbe. Die Scheibenwischer sind schwarz lackiert (Spannstücke, Arme, Wischer), ebenso die Auspuff-Endrohre (ab 8/1955). 

Farben:

Jupitergrau L225, Mittelblau L37

Sonder- oder aktuelle Exportfarben gegen Aufpreis

Innenraum

Konsequenterweise ist der Standard auch innen auf das Wesentliche reduziert. So ist nur das Wagendach mit Himmelstoff bespannt, der Rest ist nacktes Blech in Wagenfarbe. Seitenteile und Sitze sind farbtonunabhängig im blaugrauen Fischgrätmuster überzogen.

Einfacher ausgeführt sind auch die Seitenteile: Die Türpappen sind nur im oberen Streifen (ca. 13 cm) mit Filz hinterlegt und ohne Zierleiste abgesteppt. Darunter liegt der Stoff ungepolstert direkt auf der Pappe auf, am unteren Rand gibt es einen Schutzstreifen (ca. 9 cm) aus grauem Kunstleder. Fahrerseitig gibt es keine Kartentasche, beifahrerseitig keine Armlehne. Die hinteren Seitenteile bestehen überhaupt nur aus der stoffüberspannten Pappe, das heißt auch der hintere beifahrerseitige Aschenbecher fehlt. Anders als beim Export sind weder Seitenteile noch Sitzüberzüge von einem Keder umnäht. Der Standard hat außerdem an der B-Säule keine Kleiderhaken und Halteschlaufen.

Die Rücksitzbank entspricht technisch dem Export, auch sie ist klappbar und wird beifahrerseitig mit einer Gummischlaufe gehalten. Der hintere Kofferraum hat nur an den Radkästen Teppich, Rücken und Boden sind mit einer grauen Papptafel ausgelegt, die mit schwarzen Kofferschienen niedergeschraubt ist.

Zum Fußraum: Die Teppiche auf den Holmen und im vorderen Fußraum entsprechen dem Export. Nicht so der Rahmentunnel. Während dieser beim Export durchgängig mit Teppich belegt ist, hat der Standard diesen nur hinten, und zwar bis knapp über den Heizungsdrehgriff. Der mittlere Teil des Tunnels (also zwischen den Sitzen) ist nacktes Blech, im vorderen Drittel ist er mit einer Gummimatte beklebt. Die Fußmatten sind ident mit dem Export, nicht so die Matte der vorderen Querwand - es fehlt das Loch für die Kolbendruckstange der Öldruckbremse.

Die vorderen Sitze sind in einem wesentlichen Detail noch unverändert seit dem KdF-Wagen: Das Rohrgestell steht direkt auf der Bodenplatte und wird durch Schellen und Flügelmuttern in der gewünschten Position an je zwei Stehbolzen verschraubt. Demnach sind sie nicht während der Fahrt verstellbar. Durch das Fehlen der Sitzschienen sitzt man im Standard auch merklich tiefer.

Das Armaturenbrett fällt ebenfalls schlichter aus als das des Export. Auffälligstes Merkmal ist natürlich das schwarze Dreispeichenlenkrad. Der Hupknopf ist aus schwarzem Bakelit mit einem Leichtmetallring, schwarz lackiert sind auch Lenkmantelrohr und Winkerschaltergehäuse. Die Bedienknöpfe (und Rosetten) haben die gleiche Form wie beim Export, sind aber ebenfalls schwarz. Es fehlt der breite Zierring, der im Export die Tachoöffnung ziert, das Lautsprechergitter ist ebenso wie Rahmen und Griff des Aschenbechers in Wagenfarbe lackiert. Der Knopf des Handschuhfaches ist wiederum verchromt. Sockel und Hals des Rückspiegels sind schwarz lackiert, der Standard hat keine Sonnenblende. Aus schwarzem Kunststoff sind auch der Heizungsdrehgriff und der Knopf des Winkerhebels.

Letzter Komfortunterschied ist das Fehlen der Türkontaktschalter für die Innenbeleuchtung (die Einprägung an der A-Säule ist vorhanden), sie kann nur über einen Knopf direkt an der Leuchte (diese entspricht der Exportversion) ein- und ausgeschaltet werden. Ähnliches gilt für den Scheibenwischer: Er läuft nicht automatisch in die Endablage, sondern hält dort an, wo er ausgeschaltet wird.  

Die Innenraumfarbgebung im Überblick:  

 

Änderungen 08/1955

Neben den zahlreichen technischen Änderungen des Modelljahres 1956 wurde auch der Innenraum des Standardmodells angepasst.

Am Rahmentunnel wurde der hintere Teppich durch eine Gummimatte ersetzt und die vordere Gummimatte bezüglich Länge und Prägung angepasst – die Lage des Ganghebels und des Heizungsdrehgriffes haben sich ja geändert. Im hinteren Kofferraum sind die Sitzschienen entfallen, statt der Pappe ist dieser nun wie der Export mit Teppich ausgelegt. Leicht geändert wurde auch das Fischgrätmuster. Die aktuellen Repro-Stoffe entsprechen diesem „neuen“ Muster.

Noch zu präzisieren ist eine Farbänderung von Sitzgestellen, Ganghebel und Handbremse: In meinem jupitergrauen Standard 6/56 wurden diese in einem hellen Beigegrau vorgefunden, ebenso ist dies auf Originalaufnahmen zu sehen. Offen ist, ob dies eine generelle Änderung mit 8/55 (oder später) war, oder ob nur teilweise so lackiert wurde – hier sind wir für jede Aufklärung dankbar! Die Auflageschiene der Rückbank war auch bei diesem Wagen schwarz lackiert.

Im vorderen Kofferraum hat der Standard ebenfalls wohl aus Rationalisierungsgründen eine Änderung mitgemacht: Obwohl naheliegender Weise für die Seilzugbremse überflüssig, trägt das Stufenblech hinter dem Reserverad die Bohrungen für den Bremsflüssigkeits-Ausgleichsbehälter.